SPD und Grüne: Wertschöpfung und zukunftsfähige Energieversorgung für Northeim
Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen setzen sich mit ihrem Antrag für eine stärkere Rolle der Stadtwerke Northeim beim Ausbau erneuerbarer Energien ein. Dabei geht es konkret darum, ob die Wertschöpfung und wichtige Entscheidungen künftig hier vor Ort stattfinden oder weiterhin außerhalb unserer Kommune getroffen werden.
„Eine moderne Energiepolitik muss unabhängig, regional und erneuerbar sein“, erklärt der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Northeim, Sebastian Penno. Deshalb sollen die Stadtwerke Northeim den Auftrag erhalten, aktiv zu prüfen und zu planen, wie weitere eigene Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien entstehen können, sowohl im Bereich der Photovoltaik als auch bei der Windenergie.
Für SPD und Grüne ist klar, dass Stadtwerke anders wirtschaften als internationale Energiekonzerne. Gewinne fließen nicht an Aktionäre irgendwo auf der Welt, sondern bleiben vor Ort. Sie stärken die kommunale Infrastruktur, sichern Arbeitsplätze und tragen langfristig zur Stabilität der öffentlichen Daseinsvorsorge bei. „Die Erträge der SWN leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Sportinfrastruktur Northeims, insbesondere des Hallenbades, der Freibäder und der Schuhwallhalle,“ erinnert Nick Hartmann, Fraktionsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Zahlreiche kommunale Energieunternehmen zeigen bereits heute erfolgreich, wie der Ausbau erneuerbarer Energien gelingen kann. Viele Stadtwerke investieren in Windparks, Freiflächen-Photovoltaikanlagen und Speichertechnologien und schaffen sich damit langfristig stabile Einnahmequellen. Die Geschäftsergebnisse im Gasbereich der SWN unterlagen hingegen in den vergangenen Jahren aufgrund der weltpolitischen Lage erheblichen Schwankungen. Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien heute günstiger denn je: Die Kosten für Photovoltaik sind in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 80 Prozent gesunken. Strom aus Wind- und Solaranlagen gehört inzwischen zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. „Wer heute investiert, investiert nicht nur in den Klimaschutz, sondern auch in wirtschaftliche Stabilität und die Zukunft unserer Sportinfrastruktur“, betont Nick Hartmann. Genau darum gehe es in dem vorliegenden Antrag.
Dabei fordern die Fraktionen ausdrücklich keine Schnellschüsse und keine unrealistischen Prestigeprojekte. Ziel sei vielmehr eine verantwortungsvolle und solide Vorbereitung möglicher Investitionen. Der Antrag sieht deshalb zunächst die Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts vor. Konkret beinhaltet der Antrag fünf zentrale Prüfaufträge, nämlich geeignete Standorte für Wind- und Solarenergie zu identifizieren, rechtliche und technische Rahmenbedingungen zu prüfen, eine umfassende Wirtschaftlichkeitsanalyse zu erstellen, einen realistischen Zeitplan zu entwickeln, sowie Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu beteiligen. Gerade die Wirtschaftlichkeit steht dabei im Fokus. Investitionen müssen solide kalkuliert sein. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Beispiele, dass erneuerbare Energien langfristig stabile Renditen ermöglichen und die Abhängigkeit von schwankenden Gas- und Ölpreisen deutlich reduzieren können.
Besonders wichtig ist den beiden Fraktionen die Beteiligung der Bevölkerung. „Akzeptanz entsteht dort, wo Menschen mitgenommen werden und von den Projekten profitieren können“, so Nick Hartmann von Bündnis 90/Die Grünen. „Wir erwarten mehr Akzeptanz für Photovoltaik- und Windenergie, wenn die Wertschöpfung vor Ort bleibt und unsere Sportinfrastruktur in Northeim stärkt, anstatt Renditen für große Energiekonzerne zu erwirtschaften.“ Studien zeigen, dass die Zustimmung zu Wind- und Solarprojekten deutlich steigt, wenn Bürgerinnen und Bürger finanziell beteiligt werden oder die Wertschöpfung sichtbar in der Region verbleibt. Deshalb setzen SPD und Grüne ausdrücklich auf Bürgerbeteiligungsmodelle. Die Energiewende dürfe kein Projekt weniger Investoren sein, sondern müsse zu einem Gemeinschaftsprojekt werden.
Auch mit Blick auf die Zukunft der Stadtwerke sehen SPD und Grüne Handlungsbedarf. Der Energiemarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Kommunale Energieunternehmen stehen zunehmend unter Druck. Wer dauerhaft ausschließlich auf den klassischen Energiehandel setzt, wird es künftig schwer haben. Eigene erneuerbare Anlagen schaffen dagegen langfristige Einnahmen, mehr Unabhängigkeit und stärken die wirtschaftliche Basis der Stadtwerke. Davon profitiert letztlich die gesamte Stadt. Hinzu kommt die regionale Wertschöpfung, denn ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Effekte erneuerbarer Energieprojekte bleibt in der Region, ob durch Planung, Bau, Wartung, Steuereinnahmen oder Beschäftigung. Natürlich werde es Diskussionen über Standorte, Flächen und Prioritäten geben, denn das sei in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich. „Aber Nichtstun ist keine Alternative. Während wir diskutieren, schreitet der Klimawandel weiter voran“, betont der klimaschutzpolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Gerhard Härtel.
Die Fraktionen betonen deshalb, dass mit dem Antrag weder ein fertiger Windpark noch ein konkreter Solarpark beschlossen werde. Außerdem sollen die SWN diese Projekte weder personell noch finanziell allein tragen. Bereits in ihrer Rede im Dezember 2025 hatte Marie Wilp auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der SVS hingewiesen. Vielmehr gehe es um den Einstieg in einen strukturierten Planungsprozess. „Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Das ist das Mindeste, was wir unserer Stadt schuldig sind“, unterstreicht Härtel. Und abschließend: „Wir wollen eine Energiepolitik, die bezahlbar bleibt, Versorgungssicherheit schafft, regionale Arbeitsplätze sichert und die kommenden Generationen nicht mit den Folgen unseres Nichthandelns belastet.“